NTHU Campus und der Secret Shitter
Nun ja, was soll ich sagen? Aktuell sitze ich im Studentenwohnheim und habe endlich mal Zeit, diesen Blog hier weiterzuschreiben. Aber erstmal von Anfang an.
Am Samstag habe ich einen der größten Einkaufsmärkte in Hsinchu aufgesucht, um mir ein Bild von der Matratzensituation zu machen. Mit dem Einzug in das Studentenwohnheim ist man gezwungen, neben einem Kissen und dem Bettzeug auch eine Matratze zu kaufen. Von außen wirkte der Laden ganz unscheinbar, von innen hatte der MEGA PX MART in Hsinchu Zhongxiao es aber in sich. Von Bildschirmen über Matratzen bis hin zu Lebensmitteln konnte man in einem Laden fast alles finden.
Der Höhenunterschied in den Regalen zu Deutschland ist auch so verrückt. Hier ein Foto von meiner Augenhöhe und ein Foto auf Augenhöhe der lokalen Bevölkerung.
Samstag (23.08)Link to this heading
Nach einem weiteren Tag voller neuen Entdeckungen in Hsinchu bin ich heute Abend mehr oder weniger dem Bürgermeister von Hsinchu begegnet. Bei einer lokalen Veranstaltung, auf die ich durch Zufall gestoßen bin, gab es verschiedene Acts und dann auch eine Rede von einer Person. Nach kurzer Recherche habe ich dann realisiert, dass der Bürgermeister zwei Plätze neben mir saß 😂

In dem Bild hier ist es die Person ganz in der Mitte.
Montag (25.08)Link to this heading
Heute bin ich von meinem Hostel in das Studentenwohnheim direkt auf dem Campus umgezogen. Der erste Eindruck war eine Mischung aus sehr alten Gebäuden und moderner Innenrichtung. Sogar der Rasen hat die Inschrift “I ❤️ NTHU”.
Die Uni hier ist laut unseren Buddys die zweitbeste Universität in Taiwan, nach der NTU in Taipei. Neben Einkaufsläden und den Studentenwohnheimen gibt es hier auch ein Krankenhaus und zahlreiche “Food Halls”, die verschiedene Restaurants beinhalten.
Am Montag habe ich meine ersten Nachbarn Nathan und Anton im Studentenwohnheim kennengelernt. Die zwei Niederländer sind echt super lustig und studieren Economics. Wir haben dann noch Julia, eine weitere super nette Infostudentin aus Deutschland, aufgegabelt und sind zum MEGA PX Mart gefahren, um unsere Matratzen und anderen Stuff zu kaufen.
Hier haben Nathan und Julia für eine gute halbe Stunde Massagestühle getestet 🫡Das Studentenwohnheim in dem ich bin, soll eines der neuesten sein. Ich habe den Eindruck, dass die Uni sich hier von ihrer besten Seite zeigen möchte. Mir wurde gesagt, dass unsere Unterkünfte noch vor ein paar Jahren als Hotelzimmer genutzt wurden. Für mich ist das kaum vorstellbar, da das Zimmer bereits ziemlich abgenutzt ist: Eingerissene Wände, teilweise Schimmel, schiefe Schranktür. Es sind zwar nicht große Mängel, aber im Großen und Ganzen addieren sie sich schon sehr schnell. Was ich echt nicht beklagen möchte, ist der atemberaubende Ausblick aus dem Fenster aus dem 10. Stock. Das ist ein absoluter Luxus hier. Ich genieße es sehr. Neben der Landschaft sind hier auch die Menschen alle etwas entspannter und ruhiger auf dem Campus. Bei dem Wetter lässt es sich aber auch teilweise gar nicht anders leben. Im Vergleich zu meinem hektischen Alltag noch vor zwei Wochen fühlt sich hier selbst das Studieren wie Urlaub an. Vielleicht trügt da momentan mein Eindruck auch noch, aber wer weiß.
Hier eine Roomtour…
Für die Nutzung der AC in unserem Zimmer sollte man normalerweise Geld bezahlen. In unserem geht es auch ohne. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob das so gewollt ist oder eine weitere Großzügigkeit der Uni gegenüber uns Exchange-Studenten ist. Neben einer Waschmaschine direkt auf unserem Gang teile ich mir auch ein Bad mit Omer und unseren Nachbarn. Kostenloses gekühltes Trinkwasser und eine super triviale “Common Area” gibt es auch.
Wie ihr hier auf dem Bild sehen könnt, erstreckt sich der Campus auf einer ganz schön großen Fläche. Der grüne Pfeil zeigt auf mein Wohnheim. Ähnlich wie in Dresden kann man sich daher hier auch Fahrräder für eine geringe Gebühr an Fahrradstationen mieten, um sich schneller auf dem Campus oder durch die Stadt zu bewegen. Sehr nützlich!
Am Nachmittag habe ich dann Omer (26), meinen Roommate aus Israel, kennengelernt – ebenfalls supernett und ein Electrical Engineering/Computer Science Student. Zusammen mit den anderen sind wir dann ein bisschen auf Erkundungstour nach einer Bar gegangen. Da es hier leider nur effektiv zwei Bars gibt, haben wir uns für JJ’s Cheers entschieden. Die 55-jährige Barbesitzerin JJ freut sich da über jede Kundschaft und postet das fleißig auf ihren sozialen Medien wie Instagram.
Mit einem Bierpreis von 400 NTD$ (11,19 €) ist es für meinen Geschmack jedoch ganz schön teuer. Locals, wie unsere Buddys, bevorzugen es daher eher, einen Drinking Marathon zu machen. Später dazu mehr.
Dienstag (26.08)Link to this heading
Am nächsten Morgen bin ich gemeinsam mit Anton und Omer dann zu meinem ersten “Fried Rice”-Frühstück hier auf dem Campus gegangen.
Für mich ist es hier sehr schwer, direkt am Morgen irgendetwas Fleischlastiges zu essen. Es fühlt sich einfach generell zu schwer, fettig und ungewohnt an. Auf dem Campus gibt es drei Kantinen, die jeweils mit verschiedenen Läden bestückt sind. Von Supermärkten wie 7/11 und Family Market bis hin zu verschiedensten Restaurants mit Reis-, Nudel-, Hotpot- und Dumplinggerichten ist alles dabei. Das Einzige, was es hier nicht wirklich gibt, sind Brot- oder Brötchenprodukte.
Hier sind wir nach dem Frühstück zufällig beim Erkunden des Campus auf die Einführungsveranstaltung der Freshmen gestoßen. Super witzig, das mal außerhalb von Deutschland mitzuerleben. Den Studis wurde hier die Hymne der NTHU präsentiert und gelehrt. (Auf Nachfrage bei den Buddys muss man diese aber nicht auswendig können)
Wie der Zufall es wollte, haben Anton und ich auch denselben Buddy, Olivia. Erst da haben Anton und ich im Übrigen realisiert, dass wir denselben Buddy haben.
Olivia ist eine 21-jährige “Life-Science”-Studentin aus Taoyuan City. Sie ist für mich eine Art Vorbild, da sie neben ihrem Studium als Exchange-Buddy und als TA tätig ist. Eine absolute Powerfrau, die immer ein Lächeln und 110 % Freundlichkeit für einen übrig hat. Egal ob Fragen rund um Taiwan oder Hilfe bei der Kommunikation, sie ist nicht nur daran interessiert, einem kurzfristig zu helfen, sondern möchte einem ein unvergessliches Erlebnis hier bieten. Ich bewundere das sehr, wo sie die Motivation und das Ideenreichtum hernimmt. So etwas habe ich lange nicht erlebt und findet man meiner Meinung nach auch nicht so leicht in Deutschland.
Hier gab es verschiedene frittierte Dumplings.
Abends waren wir dann wieder bei JJ’s und haben neue Exchange-Studis kennengelernt, die gerade angekommen sind.
Rechts Jack aus Italien, links erst Morgane aus Frankreich und dann X aus Italien
Mittwoch (27.08)Link to this heading
Heute hatten wir unseren Orientation Day. Das ist die Einführungsveranstaltung für die Exchange-Studenten, aber wesentlich unspektakulärer als die der Freshmen. Neben verschiedenen organisatorischen Sachen gab es in der Veranstaltung auch einen sehr langen Block über Gleichberechtigung und sexuelle Belästigung. Für mich war das etwas unerwartet, da ich das mittlerweile in Deutschland innerhalb meiner Generation als selbstverständlich angenommen habe.
Wie ich dann ein paar Tage später herausgefunden habe, ist die Trennung der Studentenwohnheime nach Geschlecht auch auf das Thema zurückzuführen. Eine CS-Studentin hier (ursprünglich aus Indonesien) erzählte mir, dass es durchaus einige perverse Männer in ihrem Heimatland und hier geben soll. Für viele Exchange-Studenten hier nicht nachvollziehbar, gibt es somit auch Besuchszeiten in den Wohnheimen: bei den Frauen von 7-17 Uhr und bei den Männern von 7-24 Uhr.
Dieses Video wurde da gezeigt. Sehr sehenswert!
Nach der Veranstaltung haben wir eine kleine Tour auf dem Campus bekommen. Eine hochmoderne Bibliothek, Gebäude wie aus “Die Tribute von Panem – The Hunger Games” und alles, was dazwischen ist. Ich kann mich immer nur wiederholen, aber der Mix aus den Gebäuden ist unfassbar. Es macht den Anschein, immer wenn Geld fließt, wird es in modernste Technologien investiert, und ansonsten bleibt hier förmlich die Zeit stehen. Auch die temporäre Ausstellung über hochmoderne Militärtechnologie in der Bibliothek während des Orientation Day war meiner Meinung nach kein Zufall. Auf den Ernstfall vorbereiten – das ist hier mein Eindruck, auch wenn darüber hier bisher kein einziges Wort gewechselt wurde.
Hier einmal ein Vergleichsfoto. Links ein Bild aus dem Film, rechts ein Bild von der NTHU.
Für den Abend haben Nathan, Anton und ich dann vorgeschlagen, die andere vernünftige Bar in der Stadt mal aufzusuchen. Da sehr viele andere Studis mitgekommen sind, hat es super viel Spaß gemacht.
Toiletten SidequestLink to this heading
Also kurz zur Vorgeschichte: In Taiwan gibt es zwei Arten von Toiletten. Solche zum Hinhocken und solche, wie wir sie in Europa kennen. Aus welchen Gründen auch immer, darf man hier eigentlich kein Toilettenpapier in die Toilette werfen. Man soll es in einen Mülleimer direkt neben der Toilette werfen. Das ist super skurril und irgendwie eklig. Wir kommen also gerade von der Oktober Bar wieder, leicht angetrunken, und irgendwer hatte dort eine deftige Sitzung und hat die Toilette verstopft. Wer auch immer das war, wir haben ihn den “Secret Shitter” genannt. Naja, jedenfalls bester Zustand, um das Problem zu lösen 😂 Um euch weitere Details zu ersparen, kürze ich es mal ab. Wir haben verschiedenste Methoden ausprobiert, um das Problem zu lösen. Ohne Erfolg :(
(Ein Plunger hat am nächsten Tag dann geholfen)
Donnerstag (28.08)Link to this heading
Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht mehr, was wir an diesem Tag genau gemacht haben. Ich erlebe hier jeden Tag so viele tolle und neue Eindrücke, Erlebnisse und Erinnerungen für die Zukunft. Neben den anderen Studis haben vor allem Nathan, Anton und Julia mir echt helfen können, die ganzen Gedanken, den Ballast, die schwere Zeit hinter mir liegenzulassen. Emma bin ich nichtsdestotrotz immer wieder begegnet, aber ich merke, dass es mir deutlich leichter fällt als in Deutschland.
Am Abend sind wir, wie typisch, gemeinsam essen gegangen und haben andere Buddys und deren Studis kennengelernt.
Hier sind wir gerade in einem Restaurant mit einer beweglichen Tischplatte in der Mitte des Tisches. Es wird eine ganze Menge Essen bestellt, und dann kann sich jeder das nehmen, was er möchte. Alles wird geteilt!
Laut unseren Buddys ist das eine typische Art, mit der Familie in Taiwan essen zu gehen. Mir gefällt diese Art des gemeinsamen Essens sehr. Auch sehr ungewöhnlich für Deutsche ist das frühe Essen. Hier wird im Durchschnitt zwischen 17:00 und 18:00 Uhr gegessen. Und das nicht nur kurz. Ein Abendessen kann hier bis zu zwei Stunden andauern. Es wird ganz offen über alles gesprochen und nebenbei gegessen.
Nach dem Essen haben wir den 皆由經錄跑 bzw. 酒精路跑 gemacht. Im Englischen heißt das so viel wie Drinking Marathon. Bei dieser Art von Sport wandert man von Grocery Store zu Grocery Store und kauft jedes Mal ein neues Getränk – so jedenfalls die Idee.
Jeder kann natürlich so, wie er will, dabei mitmachen oder auch einen Stopp auslassen. James, einer unserer Buddys, eilt mittlerweile seinem Ruf voraus, die besten Drinks im 7/11 zu mixen. Er geht einfach durch den Laden und überlegt, was gut zusammenpassen könnte. Becher mit Eis gibt es am Tresen und wird selbst gemixt. Das Beste bei all dem: gute Drinks zu billigen Preisen. Ich glaube, das hört jeder Student gern. 🙂↕️
Hier wird gerade der Drink gemixt.
Hier James, Anton und Julia von links nach rechts sichtbar.
Nathan belädt hier James mit jeder Menge Sachen im 7-Eleven 😂💀
Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass es mir hier gerade auch wegen der tollen Menschen super viel Spaß macht. Es ist immer super schwer, das alles in Worte zu fassen und dem, was ich hier erlebe, in diesem Blog gerecht zu werden. Ich schätze diese einzigartige Möglichkeit des Studierens sehr. Danke an meine Familie und an alle Freunde in Deutschland, die mich auf dem Weg hierher unterstützt haben! Vielen Dank an Olivia und James!














































